Vor vielen, vielen Jahren wurde die Idee an mich herangetragen, ein Früherkennungsinstrument für Völkermord zu entwickeln. Wenn man mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen könnte, dass sich in einem Land eine Atmosphäre aufbaut, die einen Völkermord möglich macht, wenn man ferner nachweisen könnte, dass sich dieses Land dem Punkt nähert, an dem die Stimmung endgültig kippt und die Gewalt nicht mehr zu stoppen ist, würde die Weltgemeinschaft dann nicht rechtzeitig intervenieren und das Morden verhindern?!

Das Buch von Roméo Dallaire zeigt auf schockierende und bedrückende Weise, was in dem Falle passieren würde. Nichts! Gar nichts! Was sich in Ruanda aufgebaut hat, was in Ruanda passiert ist, das war im Westen bekannt. Es hat sich lange im Voraus angekündigt, dass etwas Schreckliches passieren wird. Und es hätte gestoppt werden können. Hunderttausende von Menschenleben hätten gerettet werden können. Wurden sie aber nicht.

„Als Kommandeur der UN-Blauhelme wurde General Roméo Dallaire 1993 nach Ruanda geschickt. Er sollte einen wackeligen Frieden zwischen den verfeindeten Volksgruppen der Hutu und Tutsi sichern. Extremisten in der ruandischen Regierung hatten jedoch längst einen Völkermord geplant und dabei das Zaudern der Vereinten Nationen einkalkuliert. Verzweifelt versuchte Dallaire, den Völkermord zu verhindern. Vergeblich. Mit einem zahnlosen UN-Mandat, einer viel zu kleinen Truppe und miserabler Ausrüstung versehen, von der UNO und den Westmächten im Stich gelassen, blieb ihm und seinen Soldaten kaum mehr übrig, als sich selbst zu verteidigen und dem Abschlachten ohnmächtig zuzuschauen.

Obwohl es Dallaire gelang über 30.000 Menschen das Leben zu retten, erlebte er das Scheitern der UN-Mission als eigenes Scheitern und wäre daran fast zerbrochen. »Handschlag mit dem Teufel« ist der verstörende Augenzeugenbericht eines tragischen Helden.“ (Beschreibung vom Verlag)

Ich empfehle sehr, dieses Buch zu lesen. Vor allem all jenen, die dem Militär und militärischen Einsätzen grundsätzlich ablehnend gegenüber stehen. So sehr man sich vielleicht wünscht, dass sich alle Konflikte friedlich lösen lassen, manchmal geht es leider nicht. Oder, wie es Rony Braumann in seinem Buch Hilfe als Spektakel. Das Beispiel Ruanda ausgedrückt hat:

Keine helfende Hand hat jemals den Arm eines Mörders aufzuhalten vermocht.

Beim Lesen des Buches „Handschlag mit dem Teufel“ stellte ich mir unweigerlich die Frage, wie wir es eigentlich aushalten, dass solche Dinge passieren?! Was macht uns eigentlich zum Menschen, wenn wir solche Dinge ertragen können?

Roméo Dallaire hat die Kraft gefunden, weiter zu kämpfen, gegen Völkermord und für dem Schutz von Kindersoldaten. Um jenen Kindern ein zweites Leben zu schenken, denen das erste viel zu früh genommen wurde. The Roméo Dallaire Child Soldiers Initiative, Roméo Dallaire Foundation

Roméo Dallaire: Handschlag mit dem Teufel

ROMÉO DALLAIRE, ANDREAS S DOS SANTOS (ÜBERS.)
Brent Beardsley
Handschlag mit dem Teufel
Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda
38,00€ [D] HARDCOVER, 651 SEITEN (1. AUFL.)
MÄR 2008 / EAN 9783866740235

Leseprobe

Rony Brauman: Hilfe als Spektakel. Das Beispiel Ruanda

Rony Brauman
Hilfe als Spektakel
Rotbuch Verlag
120 Seiten