Was ist ein Leben wert? Dürfen wir ein Leben gegen viele aufrechnen? Verfügen alle Menschen über die gleichen Rechte und die gleiche Würde? Dürfen wir besonders bösen Menschen, Terroristen, Entführern die Rechte, die für uns selbstverständlich sind, verwehren?

So grundsätzlich gefragt, ist es leicht, diese Fragen mit nein zu beantworten. Natürlich dürfen wir unsere Werte nicht in Frage stellen und natürlich ist die Würde aller Menschen gleichermaßen unantastbar. So einfach ist es aber nicht. Ferdinand von Schirach beschreibt Situationen, reale und fiktive, bei denen wir ins Wanken geraten. Bei denen viele Menschen sagen würden: „Natürlich, grundsätzlich ist die Würde des Menschen unantastbar, aber in diesem konkreten Fall ist das etwas anders. Da muss man eine Ausnahme machen.“

Nur, und das legt von Schirach auch sehr eindrucksvoll dar, mit dieser Ausnahme verraten wir alles. Wir glauben vielleicht, dadurch mehr Sicherheit zu erlangen, Gerechtigkeit herzustellen oder einem anderen bedeutenden Wert zu dienen. Aber der Preis ist zu hoch. Grundrechte können nicht an und aus gestellt werden, wie es uns beliebt. Unsere Freiheitsrechte, die Menschenwürde, all das ist nicht nur für die schönen Zeiten gemacht. Diese Grundsätze sind vor allem für die bösen Zeiten gemacht. Und erst in den bösen Zeiten, wenn es uns herausfordert, für unsere Werte einzustehen, wenn sie uns einen Preis abverlangen, erst dann zeigen wir, wer wir sind und wie ernst wir unsere Werte nehmen.

Daran sollten wir denken, bevor wir es uns zu leicht machen.

Ferdinand von Schirachs Buch Die Würde ist antastbar bietet viele Anregungen für interessante Betzavta-Übungen und Diskussionen und ist deswegen für alle Betzavta-Trainer unbedingt zu empfehlen.

Taschenbuch, Klappenbroschur, 144 Seiten, 12,5 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-71500-8