Wenn ich davon ausgehe, dass deine Sicht ebenso richtig ist, wie meine.
Wenn ich davon ausgehe, du darfst so sein.
Wenn ich sage:
„Ich sehe das zwar anders, aber ich verstehe deine Position.
Ich akzeptiere und respektiere sie und möglicherweise,
wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich genauso handeln.“

Wenn ich das hinkriegen würde,
dann würde ich nicht mehr hassen;
dann würde ich nicht mehr verachten;
dann wäre unsere Feindschaft beendet.
Wir wären keine Konkurrenten mehr
um dieses mystische Konstrukt namens Wahrheit.
Dann könnte ich Frieden finden.
Dann wäre ich frei.

Nur,  damit ich so denken kann,
damit ich so fühlen kann,
ohne mich zu verlieren,
ohne mich im Nichts aufzulösen.
dafür musst du genauso denken.

So lange du weiterhin zu beweisen versuchst, dass du, nur du die Wahrheit kennst, dass nur du im Recht bist,
so lange muss ich gegen halten, so lange muss ich weiter kämpfen, dass auch ich richtig bin.

Was glaubst du, wie lange ich das durchhalte, ohne in alte Muster zurück zu fallen?
Was glaubst du, wie lange es dauert, bis ich beginne, deine Position abzuwerten?
Nein, wir müssen die Veränderung gemeinsam gehen.

Bist du bereit dafür?
Bist du stark genug, deine Gewissheit, der einzig Richtige zu sein, aufzugeben?
Bist du mutig genug, die Welt auch mit meinen Augen zu sehen?
Bist du gefasst auf das, was du da sehen wirst?

Vertrau mir. Ich bin mir sicher,
Du kannst das!

Dorith Altenburg, 2019