Vor kurzem habe ich von Rony Brauman das Buch “Hilfe als Spektakel. Das Beispiel Ruanda” gelesen. Darin hat mich besonders eine Formulierung von Rony Braumann nachhaltig berührt:

Ist die Grenze einmal überschritten, kann die Rechtfertigung dieser ersten Handlung nur noch in ihrer Wiederholung, in ihrer Reproduktion liegen.

Es erscheint mir zwar grotesk, irgendetwas, das in Bezug auf die Gräuel in Ruanda gesagt wurde, auf unseren banalen Alltag zu übertragen, aber weil in dieser Formulierung so viel wahres steckt, möchte ich ihn trotzdem aufgreifen und hoffe, damit niemanden zu verletzen.

Wahnsinn legitimiert sich über noch mehr Wahnsinn.

Deswegen fällt es so schwer, einen einmal eingeschlagenen falschen Weg zu korrigieren. Es fängt schon bei Kleinigkeiten an. Ein sexistischer Spruch, ein rassistischer Kommentar, wie viele von uns sind in der Lage, sich einfach zu entschuldigen und einzugestehen, dass das ein Griff ins Klo war? Zu sagen, dass es einem aufrichtig leid tut und man nächstes Mal still ist, wenn einem nichts besseres einfällt?

Seien wir ehrlich, die meisten von uns würde mit Inbrunst dafür kämpfen, nichts falsch gemacht zu haben und versuchen zu beweisen, dass das eigene Verhalten angemessen und legitim war, dass das doch nur ein Spaß war und nicht wenige meinen, zur Verdeutlichung und Legitimation ihres Standpunktes noch einen drauf setzen zu müssen. Als meinten Sie, dass die Tatsache, dass wir nichts gegen ihr schlechtes Benehmen tun können, ihnen recht gibt, dass ihr Verhalten in Ordnung ist.

Die Fähigkeit zur Empathie, zum Verständnis des anderen, aber auch das Verständnis für uns selbst, zu erkennen, warum wir manchmal auf eine bestimmte Art und Weise reagieren und das eigene Handeln selbstkritisch zu hinterfragen ist leider vielen von uns verloren gegangen.

Warum, dafür gibt es unglaublich viele Erklärungsansätze, die ich hier und jetzt nicht auflisten kann. Aber die gute Nachricht ist, man kann es wieder lernen. Es ist nicht mal übertrieben schwer. Man muss es nur wollen. Der erste Schritt ist zuhören.

Empfohlene Lektüre:

Rony Brauman
Hilfe als Spektakel
Rotbuch Verlag
120 Seiten